DDR-Rundfunkzentrum und Funkhaus Berlin-Ost bis 2014




Das DDR-Rundfunkzentrum und heutige Funkhaus Berlin hatte seinen Hauptsitz in Berlin-Oberschöneweide, welches damals einer "kleinen Stadt in der Stadt" glich, in der 40 Jahre lang insgesamt 3500 Personen rund um die Uhr aktiv waren. Es beherbergte tausende Mitarbeiter*innen in den Redaktionen der einzelnen Sender, Abteilungen der Studiotechnik/Produktion, Funkdramaturgie, Hauptabteilung Musik sowie Archive inclusive derer, die in den Kantinen, der Milchbar, der Poliklinik, der Sauna, den kleinen Buch- und Lebensmittelladen, der Sparkasse, der Poststelle oder beim Friseur u. a. tätig waren.


Blick von Block A zu B | Fotocollage © Elisabeth Heller | 2009


Zum Gestern der kleinen "Rundfunkstadt" gehörten neben den denkmalgeschützten Gebäuden A bis D noch viele andere. Beispielsweise jene, die aus bis heute schwer nachvollziehbaren Gründen dem Erdboden gleich gemacht wurden oder derzeit nur noch in entkernter Form als hässliche Ruinen überhaupt sichtbar sind | Stand 2020. Die Rede ist dabei u. a. von den seit langem leerstehenden und dem Verfall preisgegebenen Blöcken E-T mit einstigen Sendestudios von insgesamt sechs Rundfunk-Programmen (Studiotechnik) sowie E-R (Gebäude mit Redaktionsräumen).

Der bis heute der in seiner Art weltweit einzigartige Produktionskomplex B sowie alle weiteren, funktional miteinander verbundenen Blöcke blieben glücklicherweise erhalten. Damit auch ein wunderbares Gebäude-Ensemble, dessen architektonische Gestaltung allein schon deshalb überraschen mag, weil der Architekt und Bauhausschüler Franz Ehrlich als Alternative zu damals stalinistischen Baudoktrin an einer modernen Grundhaltung festhielt und damit vielmehr einer weit verbreiteten Strömung in der Baukunst der Zwischenkriegszeit folgte. Bis heute gilt das unter Denkmalschutz stehende Funkhaus-Ost in seiner fast ursprünglichen Form als eines der herausragenden Werke der Baukunst der DDR überhaupt.


Von einer "einmaligen Akustik" schwärmen welterfahrene Musikprofis der Klassik-Szene über den Aufnahmesaal 1 im Gebäude B bis heute. Damit im Zusammenhang stehend der Verweis auf die einzigartige Fachdokumentation von Gisela Herzog und Gerhard Steinke mit einem Gastbeitrag von Peter Burkowitz.

Für die Produktion und Beschaffung von Musik aller Genres, für den Austausch mit internationalen Rundfunkstationen sowie die Durchführung von Konzerten der rundfunkeigenen Klangkörper war die Hauptabteilung Musik des DDR-Rundfunks zuständig. Ebenso gehörten zu dieser Abteilung zwei Sinfonieorchester, zwei Chöre, zwei Unterhaltungsorchester, drei Tanzorchester und zwei Kinderchöre sowie fünf Produktionsabteilungen. Darüber hinaus die Tonregie, das Musik- und Notenarchiv, die Instrumentenverwaltung, die Abteilung Internationaler Musikaustausch sowie eine EDV-Abteilung. Die Abteilungen Hörspiel, Feature, Internationale Funkdramatik, Unterhaltende Sendereihen, Hörspiele für Kinder, Sender/Regie und Produktion und Sendeleitung mit etwa 120 Mitarbeiter*innen befanden sich unter dem Dach der Hauptabteilung Funkdramatik.


Dass der geschützte Part der vormaligen "Nachwende-Geisterstadt" trotzdem, erfreulicherweise und überhaupt noch mal zum Leben erweckt wurde, war zunächst dem Investor Albert Ben-David zu verdanken, der 2006 dieses Anwesen erworben hatte. Auch erst seit dieser Zeit war der öffentliche Zugang des Geländes mehr oder weniger wieder möglich. Seit Mai 2015 werden die Häuser und Areal vom neuen Besitzer Uwe Fabich nicht mehr nur verwaltet, sondern von Beginn an nach und nach restauriert.





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