Funkhaus Berlin seit 2015




Momentaufnahme vom 5. Februar 2019 | Foto: Herbert Schadewald


"U und E kommen unaufgeregt zusammen was selten genug ist in Deutschland. Aber Berlin kann das am Ufer der Spree, abseits der Hektik und etablierten Institutionen, in einem phantastischen Gebäude des ehemaligen DDR-Rundfunks und einem der schönsten Räume der Stadt." So ein 2016er Zitat der jungen norddeutschen philharmonie . Zweimal feierten sie ihr Festival an einem Ort, der nicht erst seit der Wende für Stars aus aller Welt als eine Oase empfunden wird, sondern sich mittlerweile zu einem der angesagtesten Veranstaltungs- und auch Bildungsorte der Hauptstadt zu entwickeln scheint. Was nicht zuletzt das Release-Konzert von Depeche Mode 2017, aber auch Konzerte der so genannten "New Classical Music" und "Neuen Meistern" bewiesen/beweisen.


Fotos | Collagen: © Elisabeth Heller | Foto 14 und 16: © Christian Henke


Dass der geschützte Part der vormaligen "Nachwende-Geisterstadt" erfreulicherweise und überhaupt noch mal zum Leben erweckt wurde, war zunächst dem Investor Albert Ben-David zu verdanken, der 2006 dieses Anwesen erworben hatte. Seit Mai 2015 werden die Häuser und Areal vom neuen Besitzer Uwe Fabich nicht mehr nur verwaltet. Stattdessen investiert/e er von Anfang an und mögliche Gewinne mehr und mehr in die denkmalgetreue Restaurierung. Das Gelände hin zum Wasser samt der restlichen Räumlichkeiten der denkmalgeschützten Häuser werden somit fast ausnahmslos wieder genutzt. Allen voran natürlich der "rund um den perfekten Ton konstruierte" größte Aufnahmesaal im Produktionskomplex B - ursprünglich angedacht für klassische Musikproduktionen. Von seiner "einmaligen Akustik" schwärmen welterfahrene Musikprofis der Klassik-Szene bis heute:

Musikprofis zur Akustik

Die kleineren Musikaufnahmesäle drei und vier sowie die einstigen Hörspiel-Aufnahmestudios H1 und H2 im Block B waren seit den 90ern zumeist in privater Hand. Inzwischen | Stand 2020 | sind nur noch der Saal 3 privat, die restlichen Aufnahmestudios temporär für unterschiedlichste Anlässe vermietet.

Der Kultursaal, die einstige Funkhauskantine im Erdgeschoss mit direktem Zugang zur so genannten "Kultmilchbar" im Haus C werden oftmals auch für Meetings und Feierlichkeiten angemietet.

Auf und im Haus D, in dem u. a. auch der Rundfunk-Fuhrpark untergebracht war, wird bereits seit 2015 weiter um- und ausgebaut für Messen, Großveranstaltungen oder auch Ausstellungen.


Collage: © Elisabeth Heller


Weniger bekannt war bisher gewesen, dass die nach der Rundfunkabwicklung 1991 verlassenen Redakteursräume und Studios im Hauptgebäude "Block A" alsbald von Produzenten und Künstlern aus aller Welt zu kleinen Ateliers, Probe- bzw. neuen Aufnahmestudios umfunktioniert worden waren und durch Um- und Ausbau noch mal ganz neu aufgeteilt bzw. erweitert wurden /werden.




Ein wahres Novum war im September 2015 eine Ausstellung im großen Produktionskomplex B, bei der über vierzig international etablierte und aufstrebenden Künstler mit ihren Exponaten in einen Dialog mit den architektonischen Besonderheiten des Hauses traten. Seither gab weitere, darunter eine kleine, aber feine Ausstellung im so genannten "Hörnchengang" des B-Blocks; erstmalig u. a. auch mit Exponaten von drei jungen Künstlern, deren Ateliers teilsweise noch im Haus A damals zu finden waren.




Das große, am Wasser gelegene, einzig noch erhaltene und denkmalgeschützte Gebäudeareal war, ist und bleibt zwar vorrangig ein attraktiver Anziehungspunkt für Künstler*innen aus Bereichen Musik und Kunst, aber bis heute auch für Filmemacher*innen und Student*innen aus aller Welt, die seit 2013 Studiengänge für Tontechnik, Musik- und DJ- und Filmproduktionen belegen: Studieren im Denkmal




Interview 2018:
A Tour of Funkhaus Berlin with the Former Head of Sound Technology | Audio expert Gerhard Steinke shares stories of half a century at Berlin"s historic recording studio complex | By Ulrich Gutmair

Gerhard Steinke 2017 zu Block B:
"Es ist der größte zusammenhängende Komplex von Aufnahmestudios höchster Qualität (speziell seinerzeit für Rundfunk und Schallplatte) in Europa, darunter der größte und von vielen bedeutenden Künstlern und Orchestern weltweit als akustisch bester Saal eingeschätzte Aufnahmeraum eins." [...]

"Rolling-Stone-Magazin" im November 2016:
"Der Saal selbst ist ein kleines Wunder, nicht nur architektonisch, sondern vor allem auch was seine raffinierte und weltweit einzigartige Raumakustik angeht."

Bereits vor Jahren war im Magazin für Aufnahmetechnik "Professional audio" zu lesen: "Unter Insidern wird das Funkhaus Berlin, ehemaliger Sitz des DDR-Rundfunks, bereits als deutsches Mekka für Tonschaffende gehandelt. Nicht nur, weil sich auf dem historischen Gelände am Ostberliner Spreeufer der größte zusammenhängende Studiokomplex der Welt befindet, sondern auch wegen der einzigartigen Retro-Vibes und der insgesamt akustisch exzellenten Aufnahmeräume."

Neues Leben im alten Funkhaus | Standort für Unternehmen aus der Medien- und Kulturbranche" | Beitrag von Zeitzeuge Wolfhard Besser | Dezember 2019: "| Medienpolitisches ver.di Magazin: Menschen Machen Medien




Vielleicht sei an dieser Stelle auch noch der Hinweis darauf gestattet, dass die derzeitige Bezeichnung "Funkhaus Berlin" natürlich nichts mehr mit RundFUNK im herkömmlichen Sinne zu tun. Auch wenn in den ehemaligen Hörspielstudios ab und an noch produzierte Features, Hörspiele, Hörbücher sowie Musik in den heut noch bestehenden Sendeanstalten zu hören sind. || Hörfestspiele 2003






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